Fettnäpfchenführer New York

New York pennt nicht, sagte Engelke. Und schrieb ein Buch. Ein Reiseführer über New York ist nichts besonderes, davon gibt es zuhauf.
Alle zusammen gestapelt wäre der Haufen höher
als das Empire State Building. Das letzte Buch, das ich über Big Apple las, war von Werner Baecker – seines Zeichens Journalist und Korrespondent. Petrina Engelke ist ebenfalls Journalistin und lebt seit sieben Jahren in New York.

Zwischen seinem „New York New York“ und ihrem „Fettnäpfchenführer New York“ liegen allerdings Jahrzehnte, während sich die Stadt und die Bewohner gewandelt haben. Das tut New York beinahe täglich.
Engelke erzählt in jedem Kapitel eine Geschichte: ob sie mithilfe des Taxifahrers Eugene den New Yorker Straßenverkehr erklärt, oder mittels Pabst Blue Ribbon das „Märchen von der Flasche in der Papiertüte“ entlarvt. Ich lese, dass der New Yorker jederzeit bereit für das ist, was am Ende einer Schlange wartet. Man steht in Linie, an der Bushaltestelle, vor Lokalen und Ticketshops für hippe Veranstaltungen. Manche, so erzählt die Autorin, stellen sich erstmal an und fragen dann, worum es eigentlich geht.
Wie sieht es mit Graffiti und Kunst aus? Wie funktioniert das Nahverkehrssystem? Was sind Eggs Benedict? Und wo wird auf den Dächern der Stadt getanzt und wo Gemüse angebaut? Es gab mal ein Gesetz namens stop and frisk? Darf man im Central Park rauchen?
Das Buch ist gemixt wie ein guter Cocktail:
Hintergrundinformationen für den hinterfragenden Leser, amüsant für den Stilisten der lockeren Sprache und allgemein gebrauchbar, um nicht wie ein Depp in jedes Näpfchen zu fetten.
Web-Adressen fehlen auch nicht. Apropos Web,
Engelke bloggt über New York. Wer ihr Buch mit Vergnügen gelesen hat, kann sich dort die Fortsetzungen holen.

Müsste ich morgen nach NYC, würde ich schon übermorgen Petrina Engelkes Fettnäppchenführer Seite für Seite abarbeiten. Genau das hat die Autorin bezweckt, denke ich, sich nämlich einer Stadt vielfältig und vorurteilslos zu nähern. In 35 Kapiteln lädt das Buch dazu ein, den Blick auch mal von den Wolkenkratzern abzuwenden und hinter ihnen zu entdecken, wie das Leben im Big Apple wirklich aussieht.

Die Autorin:
In New York. Wegen New York. Trotz New York. Unter dieser Maxime schreibt Petrina Engelke, seit es sie im Jahr 2010 aus dem Ruhrgebiet zum Big Apple zog. Da hatte sie schon lange ein Verhältnis mit der Stadt: Mit 17 kam sie während eines Schüleraustausches erstmals hierher. Auch nach vielen Reisen – unter anderem in Australien und auf einem US-Segelboot – findet sie nirgends mehr Geschichten als in New York. Diese erzählt sie nicht nur als freie Journalistin in deutschsprachigen Medien, sondern auch in ihrem Blog: www.moment-newyork.de.

 

 

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