Die Mafia in Deutschland

Quelle: Die Mafia in Deutschland | Eine gemeinsame Recherche von WDR, Spiegel online und der Funke Mediengruppe

Deutschland ist
unverzichtbar
für die Mafia
geworden. Vor
allem im
Baugeschäft
mischen die
kriminellen
Banden mit. „Es gibt
hierzulande keine einzige Großbaustelle, an der
die Mafia nicht verdient“, sagt ein deutscher
Kriminalbea
mter. Es geht nicht mehr nur um
Drogen-, Menschen-, Waffenhandel oder
Schutzgelderpressung. Die Mafia von heute ist
subtiler, unsichtbarer geworden – und damit
gefährlicher denn je.

Das Milieu Marseillais,
von den
Marseillern
meist schlicht
„La Pègre“
genannt, ist
das
beherrschende
Mafia-Syndikat. Internen Berichten zufolge,
streckt sich der Einfluss von der
Côte d’Azur,
über München und das Ruhrgebiet, bis nach Berlin.
Gezielt würden die französischen Bosse nach
Expansionsräumen in Deutschland suchen. Diese
würden zuerst mit Vertrauensleuten besetzt, bevor
die ganze Führungselite nachrückt. Morde würden
nach Möglichkeit nicht in Deutschland verübt, um
die Tarnung der Mafia nicht zu gefährden. „In
Deutschland kann die Mafia nahezu ungestört
agieren“, sagt Robert Plisee, Staatsanwalt und
einer der wichtigsten Mafiajäger Frankreichs. Und
das tut sie auch: Berlin gilt mittlerweile als
Außenposten des Milieu Marseillais, laut
Informantenkreisen beträgt allein der Gewinn im
Drogenverkauf über eine Million Euro täglich. Da
sie dezentral organisiert sind, fällt es der
Polizei schwer, eine Struktur zu erkennen. Wie
viele der Top-Restaurants und Clubs Schutzgeld
bezahlen, ist nirgendwo aktenkundig. Welche
Immobiliengesellschaften und Baufirmen
infiltriert sind, ist unbekannt. Teile der Justiz
wurden gekauft oder erpresst. Vorsichtigen
Schätzungen nach begann die Marseille-Mafia
bereits 2006 ihre Geschäfte über Berlin
auszuweiten. Für Robert Plisee gilt der Boss der
Bosse, Francoise B., als Drahtzieher der neuen
Deutschlandgeschäfte.

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