Großstadt – Gedicht

Die Stadt fließt. Aber sie ist von Barrieren
durchsetzt.
Sie schafft sich ihre Viertel und
entwickelt Eigendynamik.
Es gibt keine Stadt als Ganzes, alles ist
zusammengesetzt, quasi in der Mitte
gebündelt, atomar komprimiert, und der
Rest wird
  von außen angefügt, wie bei
einem Schneeball, den man langsam einen
Abhang runterrollen lässt.

Man lebt nebeneinander, Tür an Tür, von
Dämmstoffen, Sprachen, Sitten und Kulturen
getrennt, von Straßen durchschnitten,
in Ortschaften geteilt.
Auch die Menschen einer Stadt fließen:
morgens rein, abends raus, sie gleichen
einem Strom engergischer Spermien
auf der Suche nach etwas
Geborgenheit im Uterus, kommend von
der Arbeit,
und ohne Menschen
ist eine Stadt nichts,
ohne Energie ist sie tot.
Im Zentrum findet man
Kirchen und
Bahnhöfe
, symbolisch für den Glauben
an die Wiederkehr.
Ich sitze mittendrin
und es stört mich
nicht.

Manche Menschen können sich nicht
aussuchen welches Fleckchen Erde,
welchen Klotz Beton sie fürs Leben
bekommen – sowie den
Raum für ihren Tod.

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