Stadt, Land, Blues. Thomas C. Breuer

Thomas C. Breuer

Thomas C. Breuer ist eigentlich freier Schriftsteller und lebt
in Rottweil. Er ist auch
Kabarettist, und seit 1977
hauptsächlich auf den
Kleinkunstbühnen Deutschlands
zu sehen. Die Erfahrungen
seiner Auftritte in den Metropolen, Kleinstädten und Provinznestern
dieser Republik fasst er in dem Buch
„Stadt Land Blues“ gekonnt zusammen.

Breuer bevorzugt die sprachliche Improvisation,
er beobachtet den Blues des Unterwegssein und
beschreibt seine Stationen in Anekdoten.
Schließlich, so meint Breuer, sei der Blues kein
schriftstellerisches Phänomen, er bevorzuge den
Künstler nicht, „der Blues sucht demokratisch
alle Sterblichen heim, ohne Ansehen der Person.“
Wer in Pirmasens zwecks Aufenthalt aus dem Zug
steigt, ist in einem Ort wie aus der Zeit
gefallen, Völklingen hält sich in puncto
Verrottung an der Spitze der Statistik und in
Marburg, findet der Chronist, ist das Fachwerk
nur Machwerk und keinen Tag älter als 30 Jahre,
und eine Art Biotop von Pullach in Auftrag
gegeben.

Breuer reist und erzählt,
und zumindest in diesem
Buch hat jede Stadt, jeder
Ort nur eine Seite: den
Stadt-Land-Blues. Die
kurzen, erzählerischen
Episoden eines
Handlungsreisenden in Sachen Kleinkunst sind
dann auch so angeordnet,
dass sie kein komplexes
Ganzes ergeben, sondern eher flirrende Fragmente
einer pointensicheren Beobachtungsgabe.
Wohlgemerkt, es geht hier nicht um die
wechselnden Programme eines Kabarettisten,
vielmehr findet man die Randsteine eines
zurückgelegten Weges, sozusagen die Vor- und
Nachwehen eines Deutschlandbummlers in eigener
Sache, Momentaufnahmen eines merkwürdigen Landes.

Das 17. Buch des Fahrtenschreibers Thomas C.
Breuer ist eine weitere Sammlung von Geschichten,
Anmerkungen und Absurditäten einseitiger
Betrachtungen. Als er vor 40 Jahren zu seiner
„Rundreise“ startete, gab es nicht mal
Anrufbeantworter, und die zu erwartende Gage
reduzierte die Mittel der Fortbewegung bis auf
das Maß der Deutschen Bundesbahn, und neben den
Bretterbühnen waren die Gleisanlagen sein
Zuhause. Seitdem hat sich eine Menge getan, und
Reisen bedeutet für ihn „ein unermüdliches
Studium der Geistesgegenwart sowie der
Situationskomik.“ Und jeder Halt in Baden-Baden
vermittelt ihm eine vage Idee davon, dass
Sterblichkeit durchaus seine guten Seiten haben
kann. So oder so. Und weil dieses Buch keine
alphabetische Reihenfolge genießt, findet man
einen Satz über Arnsberg auf Seite 34:
„Übrigens, der Nabel der Welt ist nicht allzuweit
von der Rosette entfernt!“

Stadt Land Blues
Maro Verlag, 2000
ISBN: 3-87512-252-6
111 Seiten
Taschenbuch

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