Was weißt du denn?

Im August 2017
erschien die
27. Auflage des
Duden. Zirka
5000 neue
Wörter kamen
hinzu, einige
mussten sich
anpassen,
wenige wurden entfernt. Da sich der allgemeine
Sprachgebrauch mit der Zeit verändert, analysiert
der Dudenkorpus die Texte der Medien um
herauszufinden, wie häufig und oft sich ein Wort
verbreitet.

Besonders Begriffe aus der Computer- und
Internetwelt formulieren den täglichen Gebrauch,
sie dominieren die Syntax des Volksmundes, aber
nicht immer generationsübergreifend, das
„Darknet“ ist Jüngeren geläufig sowie „liken“ und
„Instagram“, während die Älteren „oldschool“
genannt werden und es nicht bemerken. Die
„Willkommenskultur“ hingegen haben sie sprachlich
längst verinnerlicht, und der „Volksverräter“
hätte schon vor 100 Jahren Einzug in den Duden
halten können.

Seit dem Urduden von 1880 gilt das Werk als
Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der
deutschen Sprache.
Aber es ist nie vollständig.
Die neue deutsche Rechtschreibung von 1996
reformierte die Regeln dermaßen, dass sich
Verfechter und Gegner in zwei Lager teilten.
Diese Spaltung erstreckte sich auf alle Ebenen,
vom privaten Briefeschreiber bis zur angesehenen
Tageszeitung. Das Gerangel war groß, eine
Hundertschaft von Schriftstellern und
Wissenschaftlern unterzeichnete die Frankfurter
Erklärung für einen Stopp der Reform. Und weil es
nicht half, erklärten die Verlage Springer,
Spiegel sowie die Süddeutsche Zeitung im August
2004 ihre Absicht, zur traditionellen
Schreibweise zurückzukehren. Heute, gut 20 Jahre
später, herrscht ein Mischmasch, jeder macht, was
er will, oder auch nur, so gut er kann. Wer
Regeln ohnehin als lästig empfindet, schuf sich
einen Freibrief, der von den sozialen Netzwerken
manifestiert wurde. Alles kann, nichts muss, zu
viel irritiert.

Neu im Duden ist das „Hashtag“. Jenes Zeichen #
fristete als Raute sein Dasein auf der Tastatur
der Schreibmaschine und des Telefons. Nun ist es
zum Anführer sozialer Bewegungen geworden, das
Ding # steckt in jedem Algorithmus. Unter
„facebooken“ muss man sich eine interdisziplinäre
Beschäftigungstherapie vorstellen, und das
„Tablet“ ist kein Servierbrett, sondern digitale
Kommandokonsole. Man sieht die Präsenz der
Anglizismen, aber auch den verbalen Kampf der
Gesellschaftsschichten untereinander: die Menge
dominiert, und der Duden spiegelt die Entwicklung
der Zeit. Jährliche Unwörter qualifizieren sich
für die nächste Auflage; 2017 war es der Begriff
„Alternative Fakten“.

Andere Wörter erfahren eine Renaissance, zum
Beispiel „Lügenpresse“. Schon im 17. Jahrhundert
gab es den Lügenvorwurf an die Druckwerke. Daraus
entstanden weitere Wortbildungen wie Journaille,
Systempresse oder Medienmafia. Ähnlich
wiederentdeckt wurde der „Ersatzfahrplan“,
mithilfe der Deutschen Bahn. Die Japaner hingegen
kennen das Wort gar nicht, sie brauchen keinen
Plan B. Der Duden ist nicht die Bibel der
Sprache, eher ein Satellit der sie umkreist, er
schaut dem Volk aufs Maul, empfängt und kopiert.
Die ersten Auflagen waren überschaubar, aber mit
dem Einheitsduden 1991, musste der Umbruch alle
3-4 Jahre neu dokumentiert werden.

Manche Wörter bleiben einfach verschwunden, sie
wurden rausgenommen, nicht mehr gesprochen und
vergessen. Während der Großvater einen
Schmarotzer als Tellerlecker bezeichnet, der
durch niedrige Schmeicheleien von den Tellern der
anderen lebt, sagt sein Enkel Arschkriecher dazu.
Auch das Wort Angstmann wurde 1961 aus dem Duden
gestrichen – so hieß jener, der die Todesstrafe
vollstreckte.

Einige neue Wortschöpfungen weisen auf die
Verursacher, zum Beispiel Jan Böhmermann und das
„Schmähgedicht“. Die Bundeskanzlerin „Merkel“ war
ohne ihr Zutun sprachlich präsent, sie prägte
über Jahre mit ihrem Nachnamen die Volksstimme,
der Duden nahm sie auf. Andere entstehen durch
gesellschaftliche und kulturelle Gruppen:
„Bierdusche“ als Neuzugang zeigt den Stellenwert
des Fußballs in unserer Gesellschaft, und
kulturell sind wir bei „Netflix“ angekommen.

 

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