ky: Horst Bosetzky

Wikipedia

Angst vor dem Tod hatte
er nicht, wie er bei dem
Gespräch zu seinem
Geburtstag versicherte.
„Ich hatte bei einem
Zuckerschock mal eine
Nahtod-Erfahrung,
seitdem ist es mit der
Angst vorbei“, sagte er.
„Alles war rosa, alles
hell, wie ein Schweben
im Weltraum. Das waren die glücklichsten
Momente meines Lebens.“

Horst Bosetzky starb am 16. September 2018. Er
verfasste nicht nur Krininalromane unter dem
Pseudonym ky, er war literarisch vielschichtig
tätig, vom historischen Roman bis zum Sachbuch,
über Artikel, Hör- und Drehbücher. (Siehe
Wikipedia, bevor das Blabla exponiert.) Der Krimi
hat ihn besonders beschäftigt. Als Vielschreiber
landete der Soziologieprofessor auch im
Heftroman-Genre, sprich, bei Jerry Cotton, John
Taylor und John Drake. So ein Heftroman kostete
zwischen 90 Pfennig und 1,80 DM, hatte gut 60
Seiten und war in einer Stunde durchgelesen.
Anschließend wurde er getauscht oder irgendwo
vergessen. Mehrere Autoren produzierten den
wöchentlichen Nachschub, den ich täglich
verschlang. Damals dachte ich, dass ein Autor wie
verrückt am Schreibtisch sitzt und Krimis
erfindet, für die er fürstlich entlohnt wird. Und
als ich wusste, dass sich ein halbes Dutzend
Autoren abwechselt, im vorgeschriebenen Muster
agiert und innerhalb vier Wochen abliefern muss,
fragte ich 1981 bei Bastei-Lübbe nach. Natürlich
bekam ich eine Absage. 2000 Mark brutto fand ich
zu wenig.

Als 1981 auch der mehrfach ausgezeichnete Titel
„Kein Reihenhaus für Robin Hood“ auf die Leinwand
kam, nutzte Bosetzky die Premiere, das Geheimnis
um sein Kürzel zu lüften. „ky wurde geradezu zum
Inbegriff des Sozio-Krimis“, wie Rudi Kost in
seinem Autorenporträt bemerkte, „der die Leichen
nicht zur gefälligen Abendunterhaltung liefert,
sondern mit ihnen ausdrücklich aufklärerische
Absichten verbindet.“
Für mich wurde ky zum Sammelbegriff des
Kriminalromans, so wie jemand Tempo sagt und
Papiertaschentücher meint. Kant, Goethe oder
Brecht waren abstrakt, zumindest in meiner
Vorstellung, das Verbrechen jedoch allgegenwärtig
und nachvollziehbar.

Wer Jerry Cottons Band
678 schrieb, „Als Pinky
uns zum Keller führte“,
ist nicht öffentlich
bekannt, blieb mir aber
wie ein Synonym zu allen
Heftromanen im Gedächtnis
– ohne die geringste
Erinnerung an die
Handlung. Heute denke
ich, es muss Horst
Bosetzky gewesen sein,
damit meine Krimi-These stimmt.
„Ich denke manchmal selbst, das kann doch gar
nicht alles von mir sein“, sagte er zum
Geburtstag. „Aber das Schreiben ist meine
Leidenschaft. Ich komme davon nicht los.“
Er hat losgelassen.

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