Umsonst ist nicht der Tod

Während seines
Studiums hat
der heutige
Betriebswirt
Peter Waldbauer
als
Bestattungshelfer für mehrere Unternehmen
gearbeitet. In seinem Buch „Die Bestattungsmafia“
entlarvt er die kriminellen Methoden einiger
Beerdigungsinstitute: „Umpacken“, nennt man im
Fachjargon die Methode hochwertige Särge gegen
Billigmodelle auszutauschen. „Die billigste
Bretterkiste holen wir aus dem Osten für 35 Euro
plus Mehrwertsteuer. Wir verkaufen die wegen der
Fahrtkosten für 200 Euro, andere nehmen dafür 750
Euro“, sagte eine Bestatterin aus Bayern.

Friedhofsgebühren, Grabstein, Trauerfeier,
Blumenschmuck, lauter Extras, die hinzukommen und
Provisionen abwerfen. Auch arbeiten die Bestatter
eng mit Altenheimen und Krankenhäusern zusammen,
da gibt es schon mal Bares auf die Hand, 50 bis
100 Euro pro Sterbefall. Aber der Sargschwindel
ist in der Summe der Betrügereien der größte
Faktor. Alle Jahre wieder liest man von den üblen
Geschäften mit dem Tod, sie gleichen der Handlung
einer Horrorkomödie aus dem Jahre 1963: Ruhe
sanft GmbH. Der Bestatter hat kein Geld und
verwendet den einen Sarg, den er besitzt, immer
wieder.

Der Tod ist ein blühendes Geschäft, jährlich
sterben 840 000 Menschen in Deutschland, die von
ca. 4000 Beerdigungsinstituten entsorgt werden.
Die Verbrennung im Krematorium birgt ein großes
Potential, da werden Rabatte wie „vier Leichen
zum Preis von drei“ ausgehandelt. Normalerweise
bekommen die Angehörigen nichts davon mit, erst
wenn ein Bestatter den juristischen Graubereich
verlässt, gelangen einige Fälle an die
Öffentlichkeit. Ein Bestatter im US-Bundesstaat
South Carolina verfuhr nach dem Motto, was nicht
passt, wird passend gemacht. Weil sein toter
Kunde mit einer Größe von 2 Metern nicht in den
handelsüblichen Sarg passte, trennte er ihm mit
einer Kettensäge die Beine ab.

Leichenfledderei beschränkt sich nicht nur auf
Eheringe, Armbanduhren und Goldzähne, in New York
stand eine Bande vor Gericht, die heimlich
Knochen und Gewebe entnommen und an die
Pharmaindustrie verhökert hatte.
Sterbegeldversicherungen sind ebenfalls ein
Zubrot für die schwarzen Schafe der Branche, ein
Herner Unternehmen veruntreute 180 000 Euro, und
ein Bestatter aus Mechernich prellte seine Kunden
mit sogenannten Vorsorgeverträgen, doch das Geld,
knapp 100 000 Euro, landete nicht auf einem
Treuhandkonto, sondern wurde in den bereits
defizitären Betrieb gesteckt, um Löcher zu
stopfen.

Der Sargschwindel wird im Einzelfall selten
publik, erst wenn der Betrug im großen Stil
vonstatten geht, mangelt es an perfekter
Verschleierung. So geschehen beim
Bestattungsunternehmen El Salvador auf den
Kanarischen Inseln, das, laut Polizei, in rund
6000 Fällen den bezahlten Sarg des Verstorbenen
heimlich erneut verkauft hatten. Bei der
Feuerbestattung wurde teilweise nur ein
Sargdeckel mit der Leiche verbrannt. El Salvador
verfeinerte seine Masche dermaßen, dass es sich
bei den von den Familienangehörigen auf
Bildschirmen verfolgten Feuerbestattungen oftmals
um vorgefertigte Videoaufnahmen handelte. Das
Unternehmen geriet erst in den Fokus der
Ermittlungen, als die Eigentümer einen ihrer
Angestellten wegen „Erpressung“ anzeigten. Der
hatte Beweise über die betrügerischen Methoden
des Unternehmens gesammelt.

 

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