Das Mittelmaß und der Durchschnitt

Mittelmaß ist
das, was der
Mitte
entspricht.
Mittelmaß ist
durchschnittliche Qualität und durchschnittliche
Quantität. So jagt ein Plädoyer das andere. Dafür
und dagegen. Aber was ist die Mitte überhaupt?
Eine Parallele zwischen oben und unten.

Oscar Wilde schrieb dereinst: „Gleichgültigkeit
ist die Rache der Welt an den Mittelmäßigen.“ Was
folgern lässt, dass die Dummen mit harter
Ignoranz gestraft wurden. Vielleicht war das im
Wilde`schen 19. Jahrhundert die Lösung der
Intelligenzia, um das vernünftige Denken – und
daraus zweckvolle Handeln – der Schicht der
Gebildeten vorzubehalten. Doch das heutige
Internet bietet beinahe jedem Menschen, ob
schwachsinnig, Depp oder hochbegabt, ein Forum
für Standpunkte, Überzeugungen und Urteile. Die
Masse formt die allgemeine Wahrnehmung, was
millionenfache Klick-Aufmerksamkeit erfährt, kann
so verkehrt nicht sein. Viel hilft gut. Die Menge
macht`s. Selbst die von der UNESCO geschätzten
750 Millionen Menschen Analphabeten sind, dank
Computer und Smartphone, nicht daran gehindert,
auf ihren Wunsch der Meinungsäußerung zu
verzichten. Im Zentrum zu sein bedeutet, ein
zentraler Punkt der Masse zu sein. Neben wenigen
Ausnahmen strebt der Mensch die Mitte an, ob aus
Bequemlichkeit oder Überzeugung.

Die Wahrscheinlichkeit, so durchschnittlich wie
der Durchschnitt zu sein, liegt bei 95 Prozent.
Nur fünf Prozent von uns haben einen
Intelligenzquotienten, der nach oben oder unten
merklich von der Mitte abweicht. Aber das will
man nicht akzeptieren, man möchte anders sein,
weg vom Mainstream, und gleichzeitig sucht man
Verbündete und Brüder im Geiste. Vermutlich, um
eine neue Bewegung zu schaffen – in deren Mitte
man steht.
Der Buchstabe M liegt genau in der
Mitte. Er ist der 13. Buchstabe (von 26) des
modernen lateinischen Alphabets, und hat in
deutschen Texten nur eine durchschnittliche
Häufigkeit von 2,53%. Von dieser Statistik
ausgenommen sind die Meinungsäußerungen im
Internet, hier dominieren alle Fälle des
Personalpronomens ICH: mein Mich gehört mir.

Obwohl uns die Evolution individualisiert hat,
ist die Sozialisation lebensnotwendig. Auch die
Bildung gewisser Strukturen gehört dazu, und die
Pyramide gilt als Paradebeispiel aller Formen: je
tiefer man kommt, desto dichter wird es. (Um die
Mitte zu berechnen, muss man sie zuerst
quadratisch machen.)

Das Internet erzeugt Gefolgschaften die einem
Schwarm gleichen, man schließt sich zu größeren
Verbänden zusammen und schützt so die Elite in
der Mitte. Auch die an den Rand Gedrängten
bleiben im Schwarm, wenigstens bietet sich ihnen
ein minimaler Schutz und die Möglichkeit,
irgendwann mehr nach innen zu rücken, ins
Zentrum. Aber von dort wird der Rand-User, bzw.
jeder, der nicht im Kern steckt, zum Subjekt
gemacht, damit er abhängig und in der Bahn
bleibt. Deshalb ist die Mitte erstrebenswert.

 

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