Die mutigen Frauen von Salmünster

Ihr Mut wuchs
aus der
Verzweiflung.
Die Zeiten
waren hart und
erbarmungslos.
Im Grunde
mussten sie
tapfer sein,
denn ohne Mut wäre ihr Schicksal anders
verlaufen. Das lag auch an Gerta Sulbach.

Der Dreißigjährige Krieg, der von 1618 bis 1648
im Heiligen Römischen Reich tobte, ist auch
Schauplatz einer Episode, die sich in der kleinen
Ortschaft Salmünster abgespielt hatte. Der Wirt
des Gasthauses „Zum weißen Roß“, Johannes Lutz,
öffnete wie jeden Morgen seine Schänke. Er
sprenkelte Wasser auf den Boden und fegte durch.
Gestern, nach der Messe, waren die Bauern bei ihm
eingekehrt, sie hatten reichlich getrunken und
über die Plackerei der Ernte gesprochen. Aber das
Erntejahr 1646 sah für sie besser aus als die
Jahre zuvor, die mit Pest, Hunger und Zerstörung
einhergingen. Überhaupt war vieles im Umbruch:
Reformation und Gegenreformation. Man wusste
nicht mehr was man glauben sollte und hoffte,
über den Winter zu kommen. An diesem Montag waren
sie alle, außer einem Dutzend Alte, auf die
Felder gegangen – mürrisch, singend und gerüstet
fürs Tagwerk. Ihre Frauen hatten ihnen Brot,
Wurst, Käse und Bier mitgegeben.

Johannes putzte
die Tische,
währenddessen
rechnete er
hoch, wie viele
neue Kerzen er
kaufen müsste.
Bereits die
Talgkerzen
waren ein Luxus. Immer weniger Händler
übernachteten beim ihm, und erst vor ein paar
Monaten hatte der Fuchs ein paar Gänse geholt.
Dabei die ständige Furcht, dass bald der Schwede
vor der Tür stehen könnte. Johannes seufzte, man
hatte ja schon viel gehört. Sein achtjähriger
Sohn war im Stall, und seine Frau in der Küche.

Symbolfoto

Gegen Mittag begann
ein hysterisches
Geschreie das rasant
anschwoll, einige
Frauen liefen wild
gestikulierend durch
die Straßen, andere
kamen aus ihren
Häusern, sie formten
eine Menge die zu
einer Masse wurde:
alles, was mehr als
zwei Beine hatte,
strömte zu den Stadttoren und den Wehrmauern. Johannes hörte:
Die Schweden. Dann sah er sie auch. Gut 1200 Mann
hoch zu Roß, von Wächtersbach kommend und
gewillt, Salmünster einzunehmen – inklusive
Brandschatzung, Plünderung und Vergewaltigung.
Die Frauen reagierten geistesgegenwärtig, sie
schlossen die beiden Stadttore, griffen sich
Bogen und Armbrust und feuerten, was das Zeug
hielt. Ca. 150 Frauen gegen 1200 Schweden. Das
Bollwerk würde nicht lange halten. Wenn man die
Männer braucht, sind sie nicht da. Man schaffte
Pech heran, um die ersten Emporkömmlinge
abzuwehren, und die Schweden waren zäh, und bevor
sie die Mauer nehmen konnten, wurde ihnen etwas
auf den Kopf geworfen. Aber es waren einfach zu
viele.

Da hatte Gerta Sulbach eine geniale Idee. Seit
die Pfaffen mehr Bienenwachs für die Kerzen der
Totenmessen benötigten, hielten sie eigene
Bienenvölker, untergebracht in handlichen Körben.
Also holte man die Körbe heran, schüttelte sie
kräftig durch, und warf sie hinab. Das brachte
die Pferde der Angreifer dermaßen in Rage, dass
sie sich umdrehten und flüchteten. Den Schweden
war es nur recht, nach einer leichten Beute sah
es nicht aus, und sie suchten ein Ziel weiter
südlich.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.