Gaby Deslys

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Die Göttliche ist tot, nun kann der Dichter ihre
Legende erzählen. Gaby Deslys wurde am 04.
September 1881 in Marseille geboren, und Anfang
des 20. Jahrhunderts war sie bereits ein
gefeierter Star. 1906 verließ sie die Pariser
Bühnen und ging nach London. 1911 landete sie in
New York. Die Sängerin, Tänzerin und
Schauspielerin pflegte einen extravaganten
Lebensstil. Auch dafür wurde sie gefeiert.

Schon früh nach ihrer Gesangsausbildung nahm die
geborene Gabrielle Caire den Künstlernamen Deslys
an, abgeleitet
von dem Stück „Gabrielle Des Lys“
zu deutsch „Gabrielle von den Lilien“. Sie
entwickelte die Mode der gefiederten Kostüme,
Straußenfedern wurden ihr Markenzeichen, die ihr
der Kostümdesigner Erte` auf den Leib
schneiderte. Neben einer ausgefallenen Garderobe
liebte sie Schmuck, wie es jeder Diva gebührt,
und ihre Unabhängigkeit. Mitten im Umbruch der
beiden Jahrhunderte, dem Ende des 19. und dem
Beginn des 20., hatte eine Frau herzlich wenig
Rechte. Zwar konnte man sich mit Geld gewisse
Freiheiten erkaufen, war aber der konservativ
männlichen Gesellschaft unterlegen. Deslys pfiff
drauf, mit Charme, Esprit, Klunkern und
extravaganten Klamotten. Andrerseits lebte sie
enthaltsam, zumindest was Alkohol und Glücksspiel
betraf, denn Liebesaffären standen nicht im
Widerspruch zu ihrer Religiosität.

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Gaby Deslys` Ruhm
– und Geld – nahm
rapide zu.
Innerhalb kürzester
Zeit lag ihr Paris
zu Füßen. Maurice
Chevalier und die
Mistinguett standen
noch hinten an.
1906, im Gaiety
Theatre/London,
eroberte sie das
Publikum ebenso,
schnell hieß sie
the charme of paris. Dieser Ruf erreichte New
York, und 1911 debütierte sie im Winter Garden
Theatre. Ihre Gagen erreichten astronomische
Höhen, sie galt als bestbezahlte ausländische
Bühnendarstellerin in den USA. Gemeinsam mit
ihrem neuen Tanzpartner Harry Pilcer kehrte sie
ein Jahr später zurück nach Paris. Der Erfolg
ging weiter, der Tratsch auch. Deslys bandelte
mit König Manuel von Portugal an und trug diese
Affäre offen zur Schau. Man sagt, König Manuel
habe ihr, nach dem ersten Rendezvous, eine 40.000
Pfund teure Halskette geschenkt. Ob diese Liaison
tatsächlich etwas mit seiner späteren Abdankung
und den politischen Unruhen zu tun hatte, ist
offen, aber zu der Zeit befand sie sich gerade in
Portugal. Fest steht die Beziehung zu Harry
Gordon Selfridge, einem millionenschweren U.S.amerikanischen Kaufmann, der kurzerhand den
„Ausverkauf“ erfand, um die Umsätze zu steigern.
Zudem war Selfridge ein gutaussehender
Weiberheld.

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1914 nahm die
Karriere von Deslys
neuen Schub, der
Stummfilm brachte
die Bühne auf die
Leinwand – und das
Grammophon die Musik
in die Stube. Rosy
Rapture, eine
Burleske in 7 Akten,
ist so seicht und
einfach, wie es der
Zeit entsprach.
Warum George Bernhard Shaw mitwirkte, ist ebenfalls offen. Es folgten weitere Filme und Platten. Entgegen vieler Stars, die nach ihr kamen, schmiss sie das Geld nicht aus dem Fenster. Die Einnahmen waren stets größer als die Ausgaben. Über die negativen Seiten der Popularität sagte sie, dass es dazu gehöre und sie sich nicht beklage. Aber sie schlief in einem riesigen Bett, das einen Schwan darstellte. Gefragt, was sie vom Leben erwarte, antwortete
sie: „Eine Villa, ein Auto, meinen Schmuck.“ Des Geldes wegen stieg sie kurzzeitig in die Werbung ein, wie es heute fast jeder Prominente macht, sie bewarb ein Fußbad (Reudel Bath Saltrates), das schmerzenden Füßen wohltut.

So hätte es munter weitergehen können. Doch 1919
erkrankte Gaby Deslys an einer Kehlkopfinfektion.
Sie wurde mehrmals operiert. Sie starb
schließlich am 11. Februar 1920. Schnell wurde
aus der Toten ein Mythos, selbst heute prägt ihr
Stil das Kabarett, und damals galt sie als
Begründerin einer neuen Ära im neuen Jahrhundert.
Die nächste Pariser Diva war die Mistinguett, sie
trug nun die Federn der Deslys. Vorher hatte sie
aus Respekt auf ein Federkleid verzichtet. Selbst
unter den armen Schurken kursierte das Gerücht,
die Deslys habe sich mit ihrem Schmuck beerdigen
lassen, also probierten es einige, sie versuchten
ins Mausoleum einzubrechen. Der Versuch
scheiterte. Das enorme Vermögen erbte die Stadt
Marseille, obwohl ein gewisser Mr. Navratil
Einspruch gegen das Testament erhoben hatte und
behauptete, seine Tochter Hedy sei Gaby Deslys.
Der Versuch scheiterte. Zwei Geschäftsmänner
klärten den Streit der Caire-Family auf.

 

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