Alle Beiträge von Hartmuth Malorny

1959 in Wuppertal geboren. Lebt noch.

Es gibt Tage, da bin ich nicht in der Lage

Manchmal klingelt alles zur gleichen Zeit:
Das Handy und das Festnetz-Telefon
polyphon
und die Stimme im Kopf schreit:
Kalkulationstabellen, Präsentationsvorlagen,
I-Pad, Terminkalender.

Espresso, Zigaretten,
Aspirintabletten.

Ich verlasse die Konferenz ohne ein Wort,
gehe zu einem stillen Ort,
bin für Minuten nicht in der Lage,
und die verdutzten Kerle denken:
Die Alte hat ihre Tage.

 

Ein langweiliger Morgen

Stilles Wasser der Marke Apollinaris
auf dem Konferenztisch.
Ein Mann im Armani-Anzug,
Rasierwasserduft undefinierbar,
sein Schlips hängt fast in meinem
Dekolletee
als er sich runterbeugt und den Finger
auf den wunden Punkt der
Erhebungsgrafik legt.
Ich schlage die Beine übereinander
und erkläre nüchtern den Umstand,
warum das Bundesland Schleswig-Holstein
Strukturmängel aufweist.
Er ist verheiratet und trinkt den Kaffee
mit Milch und Zucker.
Ich mag ihn lieber schwarz.

Umsonst ist nicht der Tod

Während seines
Studiums hat
der heutige
Betriebswirt
Peter Waldbauer
als
Bestattungshelfer für mehrere Unternehmen
gearbeitet. In seinem Buch „Die Bestattungsmafia“
entlarvt er die kriminellen Methoden einiger
Beerdigungsinstitute: „Umpacken“, nennt man im
Fachjargon die Methode hochwertige Särge gegen
Billigmodelle auszutauschen. „Die billigste
Bretterkiste holen wir aus dem Osten für 35 Euro
plus Mehrwertsteuer. Wir verkaufen die wegen der
Fahrtkosten für 200 Euro, andere nehmen dafür 750
Euro“, sagte eine Bestatterin aus Bayern.

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Cry, cry, cry

Jedes Lied hat eine Geschichte. Im Mai 1945
hetzte Jim Beaver über die Church Alley. Er war
im Begriff Columbus zu verlassen. Er wollte raus
aus der Stadt, weg von dem Mädchen, das er
geglaubt hatte zu lieben. Sie wohnten im Sloppy
Motel, und während Jim tagsüber arbeitete,
vertrieb sich Kate die Zeit: Sie schlief bis
Mittag, ließ sich Essen und Getränke aufs Zimmer
bringen, und wenn er nach neun Stunden harter
Arbeit zurückkehrte, seinen blauen Overall auszog
und sich aufs Bett warf, schlüpfte sie in ein
neues Kleid und schminkte ihr Gesicht.

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