Archiv der Kategorie: Artikel

Der Rezensent, frei nach Goethe

Der Rezensent und sein Rezipient (Leser, Zuhörer,
Zuschauer) leben in einer Beziehung, meist
einseitig. Die Hymne auf ein Buch ist wie eine
5-Sterne-Bewertung, doch die namhaften
Feuilletons sind fest in der Hand der
Buchkonzerne. Neben den wenigen hauptberuflichen
Journalisten arbeiten viele freiberufliche
Literaturkritiker – im vorauseilenden
Opportunismus – die Rezensionsexemplare der
großen Verlage ab. Natürlich lesen sie nur rein,
und wenn die Zeit drängt, kopieren sie den
Pressetext.

Der Rezensent, frei nach Goethe weiterlesen

Umsonst ist nicht der Tod

Während seines
Studiums hat
der heutige
Betriebswirt
Peter Waldbauer
als
Bestattungshelfer für mehrere Unternehmen
gearbeitet. In seinem Buch „Die Bestattungsmafia“
entlarvt er die kriminellen Methoden einiger
Beerdigungsinstitute: „Umpacken“, nennt man im
Fachjargon die Methode hochwertige Särge gegen
Billigmodelle auszutauschen. „Die billigste
Bretterkiste holen wir aus dem Osten für 35 Euro
plus Mehrwertsteuer. Wir verkaufen die wegen der
Fahrtkosten für 200 Euro, andere nehmen dafür 750
Euro“, sagte eine Bestatterin aus Bayern.

Umsonst ist nicht der Tod weiterlesen

Cry, cry, cry

Jedes Lied hat eine Geschichte. Im Mai 1945
hetzte Jim Beaver über die Church Alley. Er war
im Begriff Columbus zu verlassen. Er wollte raus
aus der Stadt, weg von dem Mädchen, das er
geglaubt hatte zu lieben. Sie wohnten im Sloppy
Motel, und während Jim tagsüber arbeitete,
vertrieb sich Kate die Zeit: Sie schlief bis
Mittag, ließ sich Essen und Getränke aufs Zimmer
bringen, und wenn er nach neun Stunden harter
Arbeit zurückkehrte, seinen blauen Overall auszog
und sich aufs Bett warf, schlüpfte sie in ein
neues Kleid und schminkte ihr Gesicht.

Cry, cry, cry weiterlesen

26. Februar 1932

„Ich werkele im Haus
herum, wie es so schön
heißt. Ich war gerade
wieder auf einer
Tournee – Prag,
Dresden, Düsseldorf,
Oslo, Bergen, Bourges,
Paris, München, Berlin,
Hamburg – und bin jetzt
wieder zu Hause. Wie
meistens, wenn ich von einer Tournee
zurückkomme, habe ich
meinen kleinen Koffer gepackt und bin raus auf
die Farm, um etwas alleine zu sein. Peggy Knight,
unsere Haushälterin, hat mich hinausgefahren und
das Farmhaus für meinen Aufenthalt vorbereitet,
aber jetzt ist sie wieder in Hendersonville im
Haus am Old Hickory Lake, und ich bin nach 30

Tagen zum ersten Mal wieder ganz für mich allein.
Hier kann ich hervorragend rumwerkeln. Ich kann
mir mein eigenes Essen kochen, meine Bücher
lesen, mich um meinen Garten kümmern, über mein
Grundstück schlendern. Hier kann ich mich
besinnen, schreiben, komponieren, studieren,
ausruhen und in Ruhe nachdenken.“

26. Februar 1932 weiterlesen