Alle Beiträge von Hartmuth Malorny

1959 in Wuppertal geboren. Lebt noch.

Charles Bukowski

Schon als der Mann starb, am 09. März 1994, war
er alt, und würde, lebte er noch, heute seinen
100. Geburtstag feiern. Schriebe er hin und
wieder noch ein Gedicht? Säße er im Rollstuhl auf
dem Flur eines Altenheims in geistiger
Umnachtung? Hätte er einen Youtube-Kanal? Das ist
zu viel im Konjunktiv.

Man gedenkt dem dirty old man in ausschweifenden
Erinnerungen, setzt persönliche Zeichen, kramt
heraus und interpretiert neu. Es sind nicht alles
Huldigungen, auch kritische Stimmen sind lesbar.
Wer in diesen Tagen die Suchmaschinen mit
Bukowski-Tags füttert, bekommt Ergebnisse wie:
Alle reden zu viel; gefeierter Außenseiter; vom
Tankwart zum Kult-Autor; Dichter der
Randexistenzen.

Diesen, schon zu Lebzeiten in Deutschland
aufgebauten Ruhm, hat Bukowski Carl Weissner und
Benno Käsmayr (Maro Verlag) zu verdanken: Charles
dichtete, Carl übersetze, Benno verlegte.
Bukowski war für einen Teil der deutschen
Leser/innen eine literarische Nische, quasi
Underground, eine sprachliche Suhle mit
Wiedererkennungseffekt, eine Identifikation mit
dem Autor. Der Bukowski-Zug rollte, er nahm, was
den Ruhm betraf, erst ziemlich spät Fahrt auf,
und weil er recht langsam in Gang kam, allerdings
wie eine Teermaschine mit Blaulicht, wurden die
Trittbretter gefüllt und spülten Geld in die
Kasse. (Verfilmungen, Interviews, Lesungen,
Artikel.)

Nun ist der Dichter seit 26 Jahren tot, und die
Fans sind gealtert. Ihre Rückblicke beschreiben
den Geist einer früheren Zeit, meist mit der
eigenen Jugend verbunden, und der Begriff
Underground ist weitgehend verschwunden, es sei
denn, eine neue U-Bahn-Linie wird eröffnet.

 

Daniel Dubbe: Lyrik

 

 

 

 

XIX
Was ich heute sah

Ich bin 1 Anarchist
& hoffte deshalb natürlich
inständig dass viele,
viele unvernünftige
Menschen die Verordnungen
unserer Regierung
mißachten würden.

Aber alles dunkel
auf der Reeperbahn.
Nur dunkle Klein-Dealer
an dunklen Ecken
& in Hauseingängen.
Sonst keine Lebenszeichen,
alle Geister erlahmt
– bis auf das arbeitslose
alte Liebesmädchen
das McDonald’s Happy Meal
ausm Mülleimer fischte.

20.03.2020

 

 

Alte Momente

Ihr Blick war teuflisch kalt, sie konnte das
Licht
mit ihren grünen Eisaugen töten,
er drang ins Innere wie eine Tunnelbohrmaschine.
Man spürte ihn sofort, diesen Blick,
er hinterließ eine Form der Geringschätzung
bis hin zur Verachtung,
für weniger als eine halbe Sekunde, um wieder den Modus zu wechseln und
mit einem Lächeln
Wärme zu erzeugen.
Manchmal guckte sie mich an,
sie dachte, ich würde schlafen, und beugte sich
rüber.
Selbst wenn ich schlief, wurde ich wach und
öffnete meine Augen. Erst dann beendete
sie das Gemetzel ihres Blickes,
der mich traf,
zerstückelte und neu zusammensetzte.

Gaby Deslys

Lizenz Wikipedia

Die Göttliche ist tot, nun kann der Dichter ihre
Legende erzählen. Gaby Deslys wurde am 04.
September 1881 in Marseille geboren, und Anfang
des 20. Jahrhunderts war sie bereits ein
gefeierter Star. 1906 verließ sie die Pariser
Bühnen und ging nach London. 1911 landete sie in
New York. Die Sängerin, Tänzerin und
Schauspielerin pflegte einen extravaganten
Lebensstil. Auch dafür wurde sie gefeiert.

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Der Handtuchkrieg

Bekannt wurde dieser Sunbed-War durch den
interkulturellen Konflikt zwischen Briten und
Deutschen auf spanischem Boden: Mallorca. Weil
die Deutschen gerne im Urlaub früh aufstehen, was
den Briten, so das Klischee, schwerer fällt,
nutzen sie den zeitlichen Vorsprung, um sich noch
vor dem Frühstück die besten Liegen am Pool zu
sichern. Seitdem muss der Deutsche mit dem Ruf
einer „Handtuch-Brigade“ leben.

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The rockaway Way

DSW 21 stellt CD, DVD „The Rockaway Way“ vor

Die CD/DVD „The
Rockaway Way“
aus Dortmund
ist eine
einzigartige
Sammlung von
Lebensentwürfen
in dieser
Stadt. Der
Gitarrenladen
Rockaway Beat
in der
Gneisenaustraße
hat damit die Idee umgesetzt, Dortmunder Musiker
aus dem Untergrund ihr Lied aufnehmen zu lassen.
Herausgekommen ist eine wilde Mischung aus
Stilen, Aussagen und Interpretationen zu dieser
Aufgabe »Der Song deines Lebens«.

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Hartmut, der junge Held

Die Kampfansage

Nachdem der edle Ritter Hartmut mit einem weißen
Elefanten und einer kleinen Gefolgschaft die
Alpen überquert hatte, schaute er zurück. Aber
das, was vor ihm lag, war viel gefährlicher.
Spätestens im Aostatal würde er auf die Römer
treffen. Seine Kameraden waren geschwächt und
hungrig, er musste sie unbedingt bei Laune
halten, für den großen Kampf, also öffnete er die
kleinen Fäßchen mit Rum und schenkte jedem
kräftig ein. Und wie das so ist, zum
Sonnenuntergang lagen alle betrunken im Gras und
schnarchten. Noch wusste niemand, was am nächsten
Morgen passieren würde.

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Freiheit

 

 

 

 

 

Freiheit ist nur ein anderes Wort für Anarchie,
ein Synonym dafür, dass man nichts
zu verlieren hat, bzw. nichts besitzt,
frei sein ist eine Lüge,
süß und prickelnd wie billiger Schaumwein
zum Frühstück, gepanscht aus un- und überreifen
Trauben, versetzt mit Kohlensäure und abgefüllt
in Trier, und falls deine Frau damit
einverstanden
ist, dass du billigen Wein trinkst, schön,
aber wenn sie etwas dagegen hat, wird sie
sagen: Komm schon, sei frei, bleib weg von mir,
die Welt hat viele Länder und noch mehr Orte.

Das hörst du dir ein paar Tage an und bist
ein bisschen asozial, ein bisschen höflich und
bleibst auf Distanz. Vielleicht wird sie durch
einen inneren Zwang dazu genötigt mitzutrinken,
bis sie irgendwann
die Klobrille vollkotzt und nach jemandem
Ausschau hält, der Spitzenweine serviert.
Wenn die Frau weg ist, steht dir alles Mögliche offen,
zum Beispiel auf Wodka umzusteigen,
abstinent oder katholisch zu werden.
Nimm dir die Freiheit, obwohl sie nur ein
Wimpernschlag ist, eine
chemische Reaktion im Großhirn, und letztendlich
nicht mehr bedeutet – schon gar nicht weniger –
als der nächste Zwang, dem man nachgibt.

Johnny Cash: The gift

Eine weitere Johnny-Cash
Doku. Obwohl der Mann
seit 16 Jahren tot ist,
wurde erstaunliches
ausgegraben. Der Film
bedient sich aller wohl
nur möglichen Archiven
sowie, als Faden, eines
bislang
unveröffentlichten
privaten Interviews, und
das zeigt den Menschen
und Künstler Johnny Cash
wie durch ein Prisma: Mit oder ohne Pathos, aber
immer so ehrlich, dass es weh tut.

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