Alle Beiträge von Hartmuth Malorny

1959 in Wuppertal geboren. Lebt noch.

Freiheit

 

 

 

 

 

Freiheit ist nur ein anderes Wort für Anarchie,
ein Synonym dafür, dass man nichts
zu verlieren hat, bzw. nichts besitzt,
frei sein ist eine Lüge,
süß und prickelnd wie billiger Schaumwein
zum Frühstück, gepanscht aus un- und überreifen
Trauben, versetzt mit Kohlensäure und abgefüllt
in Trier, und falls deine Frau damit
einverstanden
ist, dass du billigen Wein trinkst, schön,
aber wenn sie etwas dagegen hat, wird sie
sagen: Komm schon, sei frei, bleib weg von mir,
die Welt hat viele Länder und noch mehr Orte.

Das hörst du dir ein paar Tage an und bist
ein bisschen asozial, ein bisschen höflich und
bleibst auf Distanz. Vielleicht wird sie durch
einen inneren Zwang dazu genötigt mitzutrinken,
bis sie irgendwann
die Klobrille vollkotzt und nach jemandem
Ausschau hält, der Spitzenweine serviert.
Wenn die Frau weg ist, steht dir alles Mögliche offen,
zum Beispiel auf Wodka umzusteigen,
abstinent oder katholisch zu werden.
Nimm dir die Freiheit, obwohl sie nur ein
Wimpernschlag ist, eine
chemische Reaktion im Großhirn, und letztendlich
nicht mehr bedeutet – schon gar nicht weniger –
als der nächste Zwang, dem man nachgibt.

Johnny Cash: The gift

Eine weitere Johnny-Cash
Doku. Obwohl der Mann
seit 16 Jahren tot ist,
wurde erstaunliches
ausgegraben. Der Film
bedient sich aller wohl
nur möglichen Archiven
sowie, als Faden, eines
bislang
unveröffentlichten
privaten Interviews, und
das zeigt den Menschen
und Künstler Johnny Cash
wie durch ein Prisma: Mit oder ohne Pathos, aber
immer so ehrlich, dass es weh tut.

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Sie

In der Erinnerung lacht sie mich noch
an, eher versteckt und verstohlen,
und manchmal schlägt sie
mir urplötzlich ins Gesicht,
rammt mir ein Messer in den Rücken
und hält das Gedächtnis wach,
aber ich bin längst zu alt,
um den vergangenen Schmerz zu spüren.

Manchmal küsst sie mich für eine
sehr kurze Zeit,
wie ein warmer Regen oder ein kaltes
Bier im Sommer, wie ein Reflex,
doch der Winter steht bevor
und sie lässt sich immer seltener blicken,
Die Liebe,
wenn der Schnee pfeifend über
die frischen Gräber peitscht.

 

 

Carefree Highway

Her name was Ann and I’ll be damned if I recall
her face. She left me not knowin‘ what to do.
Carefree highway, let me slip away on you.“ Diese
Zeilen notierte Gorden Lightfoot während einer
Busfahrt auf der Arizona State Route 74, und als
er den Carefree Highway hinter sich gelassen
hatte, war der Song fertig. Acht Monate später
wurde das Lied fürs Studioalbum „Sundown“
eingespielt.

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Der Rezensent, frei nach Goethe

Der Rezensent und sein Rezipient (Leser, Zuhörer,
Zuschauer) leben in einer Beziehung, meist
einseitig. Die Hymne auf ein Buch ist wie eine
5-Sterne-Bewertung, doch die namhaften
Feuilletons sind fest in der Hand der
Buchkonzerne. Neben den wenigen hauptberuflichen
Journalisten arbeiten viele freiberufliche
Literaturkritiker – im vorauseilenden
Opportunismus – die Rezensionsexemplare der
großen Verlage ab. Natürlich lesen sie nur rein,
und wenn die Zeit drängt, kopieren sie den
Pressetext.

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