Alle Beiträge von Hartmuth Malorny

1959 in Wuppertal geboren. Lebt noch.

Fahrende Züge

Du hast damals gesagt,
es sei nicht schwer
wegzugehen,
ohne Nachricht, ohne Wort,
ohne eine Spur, einfach fort.

Ich war jung und
wusste nichts um den Fahrplan,
den Währungskurs fremder Länder.
Züge,
hast du damals gesagt,
rollen von Januar bis Dezember.

Durch mein kleines Dorf
fahren keine Züge, dabei
ist es doch so simpel:
entweder bleiben oder verlassen,
aber keine Chance verpassen.

Heute denke ich an dich,
an Berlin und New York,
(wenn ich dort bin)
an Grenzen, Mauern und Felder,
Straßen, Brücken und Wälder.

Vielleicht könnte es mir genügen,
doch ohne dich
träume ich
von fahrenden Zügen.

Die Gebrüder de Goncourt

Wikipedia
Der nach ihnen benannte Prix Goncourt (Literaturpreis)ist heute mickrig dotiert, 10 symbolische Euro winken dem Gewinner, doch er hat einen starken Einfluss auf den Erfolg eines Buches und ist demnach ziemlich begehrt. Die Schriftsteller-Brüder Edmond und Jules de Goncourt, deren wichtigstes Werk das von 1851 bis 1896 geführte Tagebuch-Journal war, zählten zu den schillerndsten Figuren des Pariser Literaturlebens, Schriftsteller und Philosophen trafen sich bei feuchtfröhlichen Soireen, um große Fragen der Kunst zu erörtern, vor allem, um den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen.
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Zuversicht

Braucht Zuversicht Nahrung?
Ja, alles braucht Nahrung in Form von
Energie - geistig und körperlich. Wissenschaftlich
ist es in der Thermodynamik begründet,
spirituell im Glauben. Um ein positives
Gefühl aufzubauen, muss
die negative Empfindung umgewandelt werden.
Das passiert im Kopf (chemisch-elektrisch).
Der Atheist füllt mühsam oder leicht
einen Ofen, der ihm eine warme Stube beschert.
Der Glaubende regt Transmitter an,
und schon ist ihm wohlig.
Beide verfahren nach dem gleichen System:
Zu- und Abfuhr von Wärme, also Energie.
Und da von nichts nichts kommt,
ist eine Zuversicht ohne Nahrung unmöglich.

Feierabend

Morgens, wenn ich in die Straßenbahn steige,
und an manchen Morgen ist es
besonders schlimm,
sehne ich mich nach dem Feierabend,
der kalten Flasche Bier,
nach der Einsamkeit, und wenn ich
leicht betrunken auf der Couch
einschlafe und träume,
ich sei pensioniert,
vergesse ich beinahe,
nach all dem Bier und der Ruhe,
dass dann mein Leben
fast vorbei ist.

(Aus: Bewegungen im Untergrund)

Joshua gone Barbados

Eigentlich wollte Eric von Schmidt auf St. Vincent mit Frau, Kind und Kegel urlauben. Wir schreiben das Jahr 1962. Erst vor wenigen Wochen wurde der Zuckerrohrstreik auf der Insel erfolglos beendet. St. Vincent gehörte zur britischen Kolonie, und Eric war Künstler vieler Art: Maler, Illustrator, Grafiker und Musiker. Nach dem eher missglückten Urlaub schrieb er mehrere Songs, die sich mit der Umwelt der Insel, ihrem indigenen Trinkopfer der Wahl (Rum), und wie jeder wohlmeinende Songwriter der damaligen Zeit, mit Arbeitsfragen sowie sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit befassten.
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Der Fluch der Seide

John Lombe, ca. 1693 in Norwich/Großbritannien geboren, verschrieb sich dem Beruf des Seidenproduzenten. Auch sein Halbbruder Thomas Lombe sah die Woll- und Seidenweberei als einträgliches Geschäft. Doch das Know-how beherrschten die Italiener, und sie verteidigten es. Also beschritt John Lombe einen ähnlichen Weg wie dereinst zwei byzantinische Mönche, die im Jahre 522 die Seidenraupe aus China entführten, er wollte das Wissen der Technik auf eben diese Art und Weise nach Großbritannien holen. 
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Das Schicksal des Le Gentil

Guillaume Joseph Hyacinthe Jean-Baptiste Le Gentil de la Galaisière, kurz Le Gentil genannt, wusste zum Zeitpunkt seiner Geburt, am 12. September 1725, noch nicht, dass er eine astronomische Laufbahn einschlagen, und diese von einer Abfolge des Scheiterns begleitet sein wird. Doch bis zu seinem 36. Lebensjahr blieb ihm das Pech fern, im Gegenteil, er wurde Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften und gedieh prächtig.

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Wayback Machine

Internet Archive is a non-profit library of
millions of free books, movies, software, music,
websites, and more.

Hier schlummern auch alte, längst vergessene
Webseiten. Diese Datei-Leichen lassen sich durch
die Way-Back-Maschine wieder zum Leben erwecken.
Dank der Intelligenz der Programmierer vergisst
das Internet nichts. Fast nichts. Allerdings ist
der Wille zur Speicherung Voraussetzung, das
heißt, Menschen versorgen das Archive, und kein
künstlicher Krake, der mit einem Schleppnetz den
Boden des Internets abfischt. Und im
Umkehrschluss ist die Bereitschaft nötig jene
Leichen zu reaktivieren, die den Blick zurück
gestatten.

Archive Org begann seine Arbeit 1996, heute sind
alleine 486 Milliarden Webseiten gespeichert.
Eine davon ist www.malornys-ledertasche.de.vu/

 

Meinung und Wahrheit

Zwei Meinungen prallen aufeinander, und zwar so
gegensätzlich, dass sie eigentlich kollidieren
und sich dabei gegenseitig auslöschen müssten.
Das passiert nie. Es geschieht höchstens, dass
sich die Meinungsmenschen persönlich an die
Gurgel gehen und jeweils das Leben des anderen
beenden. Und jeder der beiden Verblichenen wird
in der Vorstellung sterben, es mit der richtigen
Meinung getan zu haben. 

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